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Hans-Jürgen Hübner:

Kolonien Venedigs

Version 1.251 (22. Mai 2016), begonnen am 29. Januar 2007 für Wikipedia,
dort die enzyklopädiegerechte Fassung

Inhalt

Einleitender Überblick

Venezianische Kolonien
Die Kolonien Venedigs im östlichen Mittelmeerraum

Das venezianische Handelsreich entstand in erster Linie auf Grund der politischen und kulturellen, besonders aber der Handelsbeziehungen zum Byzantinischen Reich (dazu näheres s. Wirtschaftsgeschichte Venedigs). Durch diese Kontakte bildete die Republik Venedig Handelsmonopole heraus und dominierte so 300 Jahre lang den östlichen Mittelmeerraum. Dabei kam es zu Konflikten mit dem Handelskonkurrenten Genua, die in vier Kriegen eskalierten. Zugleich schwächte Venedig entscheidend das Byzantinische Reich. Mit der Expansion des Osmanischen Reiches verlor Venedig seine ägaischen Kolonien - vor allem 1571 Zypern und 1669 Kreta.

Venedig profitierte durch die Kreuzzüge in mehrfacher Hinsicht. Zum einen intensivierten sich die Handelskontakte mit dem östlichen Mittelmeer, zum anderen fuhren zahlreiche Pilger per Schiff ins Heilige Land. Doch erst mit dem IV. Kreuzzug kam es zur Eroberung Konstantinopels und Venedig wurden 1204 drei Achtel des Lateinischen Kaiserreiches zugesprochen. Trotzdem besetzte Venedig fast ausschließlich Stützpunkte entlang der griechischen Küsten und zahlreiche Inseln - allen voran Kreta. Es lehnte sogar das Angebot der fränkischen Herren von Achaia, ab, die Herrschaft über ihren Teil des Peloponnes zu übernehmen.

Das so entstandene Kolonialreich erstreckte sich von Istrien und Dalmatien über Albanien, Epirus und den Peloponnes bis in die Ägäis. Schließlich reichte es sogar bis Zypern. Dazu kamen zahlreiche Kolonien venezianischer Kaufleute, die in eigenen Quartieren wohnten. Solche Quartiere mit eigenen Rechten existierten beispielsweise in Konstantinopel, La Tana auf der Krim, aber auch in Akkon, Alexandria und Tunis.

Ob man die oberitalienischen Gebiete zum Kolonialreich rechnen sollte, lässt sich nur schwer entscheiden, ist aber in der Geschichtsschreibung nicht üblich.1 Dass es Analogien, z. B. hinsichtlich der Finanzpolitik gibt, steht außer Frage.

Istrien

Schon im Laufe des 9. Jahrhunderts hatten die Venezianer eine eigene Flotte aufgebaut, die die Byzantiner als Ordnungsmacht im nördlichen Teil der Adria ablöste. Zur selben Zeit standen die Städte Istriens, die nominiell noch zum Byzantinischen Reich gehörten, unter dem Expansionsdruck der Franken und wurden bald auch von den Einfällen der Ungarn geplagt. In dieser Situation begannen sie seit dem 10. Jahrhundert Bündnis- und Schutzverträge mit Venedig abzuschließen, denn wie die Lagunenstadt wollte man nicht unter die Herrschaft des westlichen Kaisertums geraten.

Diese Schutzverträge, unter anderem mit Capodistria und Pola waren der Türöffner für die spätere Herrschaft Venedigs über große Teile Istriens. Im Inneren des Landes konnten sich dagegen das Patriarchat von Aquileia und verschiedene Lehensmänner des römisch-deutschen Kaisers durchsetzen.

Die Gewinnung der Herrschaft über Istrien war keine Kolonialiserung im eigentlichen Sinne. Obwohl manche Städte sich nicht freiwillig unterwarfen und von den Venezianern im 13. Jahrhundert besetzt wurden, so z.B. Parenzo 1267, konnten sich die istrischen Städte lange Zeit einen hohen Grad an innerer Autonomie bewahren. Die Macht in den Städten wurde an den venezianerfreundlichen Teil des örtlichen Adels übertragen - eine Gruppierung, die es praktisch in jeder istrischen Kommune gab. Das Militärwesen und der Außenhandel standen jedoch vom Beginn der venezianischen Herrschaft an unter der Kontrolle der Lagunenstadt. Später wurden dann auch venezianische Adlige an die Spitze der kommunalen Herrschaften in Istrien gestellt. Zu einer regelrechten Kolonialisierung im Sinne einer Besiedlung kam es jedoch nicht.

Venezianische Städte in Istrien waren: Cittànova, Parenzo, Capodistria Pola, Umago, Isola und Pirano sowie Muggia und Albona (die letzteren beiden erst seit 1420). Nur Triest wehrte die Machtübernahme der Venezianer mit Hilfe der Habsburger erfolgreich ab und unterwarf sich im 14. Jahrhundert dem Kaiser.

Im Frieden von Campo Formio 1797 kam dann ganz Istrien an Österreich.

Dalmatien

Die Städte Dalmatiens unterstanden, mal mehr, mal weniger formal, dem Kaiser in Byzanz. Die nördlichen Inseln und Städte standen in Handelskontakten mit Venedig, zumal die Küste zahlreiche gute und sichere Häfen zu bieten hatte, die den Handel ins östliche Mittellmeer erleichterten. Offenbar kam es zu Konflikten mit den Narentanern, die sich nach Auffassung der Venezianer zu sehr als Piraten betätigten. Venedig setzte sich mit einer Flottenexpedition durch, doch war sein Spielraum gegenüber dem Byzantinischen Reich, dessen Übergewicht sich vor allem im Süden Dalmatiens zusehends festigte, sehr begrenzt. Jedoch gab es keine byzantinische Verwaltung oder einen direkten Leiter der Provinz (byz. Thema). Venedig griff erst wieder militärisch ein, als die Normannen 1074 nach Dalmatien gerufen wurden. Die wichtigsten Städte mussten versprechen, sie nie wieder um Hilfe zu bitten. Venedig fürchtete um die Freiheit seiner Handelswege in der Adria. Den kleinräumigen Stadtherrschaften Dalmatiens war wiederum an ihrer Autonomie gelegen, die sich nicht nur gegen Venedig, sondern auch gegen Kroaten, Ungarn, Normannen und Araber erfolgreich verteidigten.

Porta Terraferma mit dem Markuslöwen in Zadar
Porta Terraferma mit dem Markuslöwen in Zadar

Doch 1105 gelang es Ungarn, Zadar, Trogir und Split, bald Krk und Osor in seinen Machtbereich einzubeziehen. Venedig, das die gleichen Befürchtungen hegte, wie bei den Normannen führte mehrere Kriegszüge gegen die Städte, was wiederum Ungarn zu Gegenzügen veranlasste. Erst nach Jahrzehnten kristallisierte sich heraus, dass Venedig die Oberhoheit über Zara (Zadar) und die Inseln des Quarnero an sich ziehen konnte. Dies dokumentierte Venedig, indem es 1154 die Erhebung Zadars zum Erzbistum erfolgreich anstrebte, um es 1155 dem Patriarchen von Grado zu unterstellen - der auch der kirchliche Oberherr Venedigs war. Doch Zadar sträubte sich jahrzehntelang gegen Venedigs Eingriffe in seine Autonomie, verbündete sich mit Ungarn. Nach dem Tod Kaiser Manuels I. (1180) ging die kurzlebige Provinz Dalmatien für Byzanz endgültig verloren und der ungarische König besetzte diese Gebiete - was bis 1204 zu fast ununterbrochenen Kriegshandlungen führte.

Der 4. Kreuzzug fand unter venezianischem Einfluss sein erstes Ziel im rebellischen Zara. 1202, endgültig 1205 wurde die Stadt unterworfen. Comes und Bischof wurden nun von Venedig bestimmt, bzw. genehmigt. Als sich Zara 1242 erneut erhob, siedelte Venedig erstmals Venezianer in der Stadt an, baute eine Festung vor die Stadt und kürzte die Mittel des Großen Rates, der Hauptversammlung der Stadtadligen. Ihnen verbot Venedig die Ehe mit Kroaten, deren Bevölkerungsanteil offenbar nach und nach anstieg.

Die lokalen Herrenfamilien weiter im Süden Dalmatiens verfolgten hauptsächlich das Ziel städtischer Autonomie und wechselten dementsprechend ihre Bündnisse. 1321 unterstellten sich Sibenik und Trogir Venedig, 1327 folgten Split und Nin. Außer Kotor und dem Gebiet der Narentaner beherrschte damit Venedig den weitaus größten Teil Dalmatiens, eroberte zudem Korcula, Hvar und Brac.

Doch dieser Herrschaft machte ein Bündnis unter der Führung der Anjou (Ludwig I.) ein Ende. Sie beherrschten Ungarn und Süditalien gleichermaßen, und so stand ihnen der venezianische Teil Dalmatiens im Weg. 1358 musste Venedig das gesamte Gebiet zwischen Kvarner und Durazzo an die Anjou abtreten. Der Doge musste auf seinen Titel Dux Dalmatiae et Croatiae verzichten. Letztlich kulminierte dieser Dauerkrieg im Chioggia-Krieg, in dem die verbündeten Anjou und Genua 1381 unterlagen und Frieden schließen mussten (Friede von Turin).

1409 verkaufte Ladislaus von Anjou nach jahrelangen Verhandlungen seine Rechte auf Dalmatien und die ihm unterstehenden Städte Zadar, Vrana, Novisad und die Insel Pag für 100.000 Dukaten an Venedig. Bis 1423 unterwarfen sich die meisten Städte Dalmatiens, so dass eine durchgängige Verbindung zu den venezianischen Gebieten in Albanien entstand. 1480 kam noch Krk hinzu.

Doch durch die Expansion des Osmanischen Reiches verlor Venedig große Teile Dalmatien. Nur einige Küstenstädte blieben formal unter venezianischer Herrschaft. Erst im Frieden von Karlowitz 1699 bekam dann Venedig ganz Dalmatien zugesprochen, mit Ausnahme von Dubrovnik, das unter osmanischer Oberhoheit blieb. Trotz dieses Friedensvertrages kam es immer wieder zu kleinen Konflikten mit dem Osmanischen Reich, Österreich und Ungarn. 1797 ging Dalmatien endgültig an Österreich.

Albanien

Wenn von den venezianischen Kolonien in Albanien die Rede ist, sind zwei Regionen zu unterscheiden, die zu unterschiedlichen Zeiten im Besitz der Republik waren. Vom 4. Kreuzzug (1202-04) bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Venedig verschiedene Häfen an der albanischen Küste zwischen Valona im Süden und Alessio im Norden erwerben. Diese gingen bis 1500 alle an die Osmanen verloren.
Seit Ende des 14. Jahrhunderts brachten die Venezianer dagegen eine Reihe von Städten an der Bucht von Kotor und in der nähren Umgebung unter ihre Kontrolle und sie behielten diese größtenteils bis zum Ende der Republik. Dieses im heutigen Montenegro gelegene Gebiet wurde seit dem 15. Jahrhundert Albania Veneta genannt.

Wie die dalmatinischen Häfen waren auch die Orte an der albanischen Küsten Stationen des im 10. Jahrhundert an Bedeutung zunehmenden Orienthandels der Venezianer. Die Straße von Otranto an der die albanische und die italienische Küste nur rund 70 Kilometer auseinander liegen, bildet die Engstelle für den gesamten Schiffsverkehr zwischen Ägäis und Levante sowie der Adria. Von größerer strategischer Bedeutung war dabei die albanische Seite, denn aufgrund der Wind- und Strömungsverhältnisse verlief an dieser Küste die am besten befahrbare Route. Solange beide Ufer des Meeres in byzantinischer Hand waren und die griechische Flotte die südliche Adria kontrollierte, mussten sich die mit Byzanz verbündeten Venezianer wenig Sorgen um die sichere Passage in jener Region machen. Dies änderte sich um die Mitte des 11. Jahrhunderts mit dem Niedergang der byzantinischen Seemacht und der Eroberung des griechischen Süditalien durch die Normannen. Zwischen 1081 und 1107 konnte Kaiser Alexios I. die Expansionsversuche der Normannen auf den Balkan nur mit Mühe und der Hilfe venezianischer Flotten zurückschlagen. Die Seemacht der Republik war seitdem ein entscheidender Faktor in der Region und sollte es für mehrere Jahrhunderte bleiben. Im Zuge des Bündnisses mit Alexios I. war die Stadt Durazzo, Ausgangspunkt der alten Via Egnatia, für den venezianischen Handel freigegeben worden.

Während Kaiser Manuel I. (†1180) und einige seiner Nachfolger versuchten den wirtschaftlichen Einfluss der Venezianer im Byzantinischen Reich zurückzudrängen, verbündete sich Isaak II. gegen seine Feinde im Inneren wieder mit der Republik. Unter anderem schenkte er den Venezianern 1192 ein eigenes Quartier in Durazzo, die so den ersten permanenten Stützpunkt an der albanischen Küste gewannen.

Nicht zuletzt weil an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert die unsichere innenpolitische Situation in Byzanz den Handel der Republik bedrohte (mehrfach waren in Konstantinopel durch Palastrevolutionen den Venezianern feindlich gesinnte Gruppierungen an die Macht gekommen), nutzte der Doge Enrico Dandolo den 4. Kreuzzug, durch den das Byzantinische Reich zerschlagen wurde, um für Venedig zahlreiche Stützpunkte und Inseln zu gewinnen. Insgesamt sollten drei Achtel der fränkischen Eroberungen an die Republik fallen. Die albanische Küste hatte bei der venezianischen Expansion nach 1204 jedoch nur eine nachgeordnete Bedeutung.

1205 gründete der lateinische Patriarch von Konstantinopel, Tomaso Morosini, auf dem Weg zu seinem Bischofssitz Konstantinopel den Dukat Durazzo. Der Handel Venedigs wurde deutlich intensiviert, die dortigen Italiener erhielten Abgabenfreiheit und Venedig 1210 das Recht auf freie Getreideausfuhr. Dieses wurde 1213/14 aufgehoben, als der Despot von Epirus die Stadt eroberte. Erst 1217 gab es hier wieder Handelsbeziehungen. Ende 1228 wurde Venedig erneut die Freiheit des Handels garantiert.

1230-42 befand sich Durazzo in bulgarischer Hand, womit Venedig vermutlich vom Export ausgeschlossen war, fiel dann nochmals kurzfristig in venezianische Hände. 1246 errang Epirus abermals die Hoheit über die Stadt. Nach dem Intermezzo der Eroberung durch die Truppen König Manfreds, fiel Durazzo erneut an Byzanz. Epirus gestattete den Venezianern 1272 das Ausweichen in seine Hauptstadt Arta.

Byzanz sperrte die Ausfuhr, als sich Venedig mit Karl von Anjou zur Rückeroberung Konstantinopels verbündete, das seit 1261 wieder Hauptstadt des Byzantinischen Reiches war. Damit geriet Albanien abermals in den Fokus westlicher Eroberungspläne. Albanien fiel 1270 an Karl von Anjou, der im von ihm geschaffenen Regnum Albanie durch seinen Fiskalismus sowohl Ragusaner, als auch Venezianer vertrieb. Diese Herrschaft der Anjou hatte bis weit ins 14. Jahrhundert Bestand.

Der Tod Karls und Kaiser Michaels (1282) öffnete den Weg zu einer Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen. Angesichts der Tatsache, dass 1284 Epirus den Getreideexport sperrte, ein wichtiger Erfolg venezianischer "Schaukelpolitik". 1290 fiel Durazzo erneut an Byzanz. Offenbar kehrten damit auch Venezianer zurück, denn wenig spater kam es im Verlauf der Eroberung durch die Serben zu Schädigungen der ortsansässigen Händler.

Der Despotat Epirus löste sich ab 1318 rapide auf und fiel zunächst in die Hände einer venezianischen Familie (1323-1335), denen bereits seit längerem die vorgelagerte Insel Kephalenia unterstand, dann für wenige Jahre in die der Byzantiner, denen bereits vor der Mitte des Jahrhunderts wiederum die Serben folgten. Aber auch deren Herrschaft war nur von kurzer Dauer - Aufstände und vor allem die Kämpfe der Adelsfamilien untereinander, sowie das Vordringen der Osmanen, dürften in der Folgezeit dem Handel schwer zugesetzt haben.

Während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stritten albanische Klans und die Anjou um die Vorherrschaft. Karl Thopia, ein illegitimer Nachkomme König Roberts von Anjou, vertrieb die Anjou ab 1358 aus Albanien, eroberte schließlich 1367 mit dem stillschweigenden Einverständnis Venedigs auch Durazzo. 1386 schloss man ein regelrechtes Bündnis.

Nach 1400 griff Venedig wieder intensiver südwärts aus, nachdem es Dalmatien an Ungarn hatte abtreten müssen. 1392 und 1396 fielen Durazzo und Scutari, dann Alessio und Drivasto. In den nächsten Jahrzehnten folgten weitere Städte wie Budua und Antivari. Neben Holz wurde das örtliche Getreide die Grundlage des Reichtums von Ishmi und Suffada, den Handelszentren des Nordens.

Durazzo hingegen verarmte. Bereits 1401 galt die einstmals florierende jüdische Kolonie als völlig verarmt, bis 1430 war Durazzos Bevölkerung stark zurückgegangen. Bezeichnenderweise wurde die Stadt nicht in die entstehende Kolonie Venezianisch Albanien einbezogen und fiel 1503 an die Osmanen.

1432 bis 1436 und erneut ab 1443 unter Skanderbeg erhoben sich die Albaner gegen die osmanische Herrschaft. Aber Skanderbeg bedrohte zugleich die venezianischen Besitzungen, so dass es 1447-48 zu einem venezianisch-albanischen Krieg kam. Venedig scheute sich nicht, sich mit den Osmanen gegen Skanderbeg zu verbünden. Die Handelsinteressen, vor allem der Import von Holz und Getreide, die Unterdrückung eines eigenständigen Salzhandels, die Bevorzugung eines einheitlichen Handelsraums mit Zugriffsmöglichkeiten bis Thessaloniki, hatten Vorrang.

Nach dem zweiten Krieg zwischen Venedig und Istanbul (1463-79) verblieb Venedig nur der Besitz einiger Städte südlich von Ragusa. Die Städte Kotor, Téodo, Budua, Antivari und Dulcigno, bildeten den Kern der Provinz Albania veneta. Vor allem die Bucht von Kotor war ein wichtiger Anlaufpunkt für die venezianische Flotte und eine geschützte Etappe des Fernhandels. Außerdem blühte ein reger Schiffbau.

Im Türkenkrieg von 1570-73 verlor Venedig vor allem Zypern, musste aber auch Antivari und Dulcigno abtreten.

In auffälligem Gegensatz zum übrigen Balkan, der an das Osmanische Reich fiel, gelangte albanisches Getreide weiterhin nach Venedig und in seine Kolonien. Dies hat seine Ursache nicht nur in der größeren Entfernung zur Riesenstadt Istanbul, das die Überschüsse des übrigen Balkans immer stärker an sich zog, sondern vor allem in der Beschaffenheit des albanischen Getreides, das nicht für lange Seetransporte geeignet war. Hingegen konnten die verbliebenen venezianischen Gebiete nichts zur Versorgung Venedigs beitragen. Im Gegenteil mussten die Magistrate und die Festungsbesatzungen überwiegend aus Apulien versorgt werden.

1699 gelang Venedig die Eroberung von Castelnuovo, womit die Bucht von Kotor vollständig in seiner Hand war. 1718 wurde die Grenze zum Osmanenreich anerkannt, womit bis zum Ende der Republik Venedig Frieden einzog.

Korfu und die Ionischen Inseln

Karte von Korfu, 1688
Karte von Korfu, 1688

Markuslöwe in Korfu, 1778
Markuslöwe in Korfu, 1778

Korfu gehörte zu den drei Achteln des Byzantinischen Reichs, die Venedig von den Teilnehmern des IV. Kreuzzugs zugesprochen worden waren. Zwar gelang 1207 die Besetzung der Insel nach der Vertreibung des Genuesen Leone Vetrano, aber schon 1214 fiel sie an den Despotat Epirus.

Erst 1386 konnte Venedig die Insel erwerben und sie blieb bis zum Ende der Republik in ihrem Besitz (1797). Sie wurde in vier Balleien unterteilt. Neben der Hauptstadt waren Angelokastron und Gardiki die wichtigsten Festungen. Die Hauptrolle der Insel bestand für Venedig darin, dass sichere Häfen den Seeverkehr schützten und die Schiffe dort Proviant aufnehmen konnten. Darüber hinaus exportierte Korfu Oliven, Weizen und Zucker.

Die knapp 700 Quadratkilometer große Insel Kefalonia, die größte der Ionischen Inseln, kam 1194 an die aus Venedig stammenden Orsini, die sie bis 1323 bzw. 1375 beherrschten. Nach mehrfachem Besitzerwechsel kam die Inselgruppe zunächst 1479 an die Osmanen, dann endgültig 1500 an Venedig (bis 1797). Venedig unterstützte die Insel bei ihrer Verteidigung, konnte aber nicht verhindern, dass 1538 eine osmanische Flotte rund 3.000 der Einwohner in die Sklaverei entführte. Nach dem Verlust Kretas, das 1645/1669 an die Osmanen fiel, erhielt die Insel eine wichtige Funktion als Handelsdrehscheibe.

Morea (Peloponnes)

Drei Achtel des Byzantinischen Reichs, dessen Hauptstadt die Kreuzfahrer 1204 unter Führung des Dogen Enrico Dandolo erobert hatten, wurden Venedig zugesprochen. Durch den Teilungsvertrag, den die Kreuzfahrer vor Konstantinopel geschlossen hatten, fiel auch der Peloponnes an Venedig. 1206 besetzte eine Flotte Modon und Koron auf dem Südwestzipfel der Fastinsel.

Diese Augen der Serenissima, wie die Doppelfestung genannt wurde, spielten als Drehscheibe und Kontrollpunkt für den Handel eine bedeutende Rolle. Die Festungen dienten den Handelsflotten als sichere Häfen, aus dem Lager für Schiffszwieback deckten die Besatzungen ihren Bedarf, Waren konnten hier gelagert werden. Der Rest der Peloponnes unterstand zunächst den lateinischen Fürsten von Achaia.

Die Burg von Methoni
Die Burg von Methoni
Als die türkische Armee 1422 vor Konstantinopel gescheitert und sich daraufhin erstmals der Halbinsel zugewandt hatte, boten die verbliebenen lateinischen Fürsten Venedig die Unterwerfung unter ihre Oberherrschaft an. Fünf Weise prüften dieses Angebot im Auftrag des Senats und kamen zu dem Schluss, dass die wirtschaftlichen Schätze des Landes durchaus einer Ausbeutung würdig seien - trotzdem lehnte der Große Rat das Angebot ab. So fiel 1432 fast die gesamte Morea an die Byzantiner von Mistra, denen sogar ein Vordringen bis nach Athen und an den Fufl des Pindos-Gebirges gelang. Aber dies konnte die Osmanen bei ihren Verwüstungszügen durch den Peloponnes (1446, 1452, 1458, 1460) nicht aufhalten. Nach der endgültigen Eroberung (1459/60) - nur das verbliebene Monembasia unterstellte sich 1464 dem Schutz Venedigs - fielen 1470 auch Negroponte und im Jahr 1500 Koron und Modon an die Hohe Pforte. Nur wenige Felsensiedlungen, wie das besagte Monembasia, konnten sich noch jahrzehntelang halten.

Nur für einige Jahrzehnte gelang Venedig ab 1686 die erneute Eroberung der Morea, doch schon 1715 nahm ein osmanisches Heer die Halbinsel wieder ein. Hauptstadt der venezianischen Morea war Nauplia, das auch Napoli di Romania genannt wurde. Das Städtchen war von 1829-34 Hauptstadt des unabhängigen Griechenland.

Candia (Kreta)

Venezianisches Kreta
Die sechs Sestieri Kretas im 13. Jahrhundert.

Nach 1300 wurde die Insel nur noch in vier Sestieri eingeteilt.

1204 tauschten die Venezianer das ihnen zugesprochene Gebiet um Saloniki gegen die Insel Kreta ein. Doch sie sollten nicht viel Freude an der neuen Kolonie haben: Von 1204 bis 1207 fiel sie fast gänzlich an genuesische Piraten, was aber venezianische Händler keineswegs davon abhielt, dort ihren Geschäften nachzugehen. Damit aber begann eine schier endlose Kette von Aufständen der griechischen Bevölkerung, die sich durch das gesamte erste Jahrhundert venezianischer Herrschaft zieht: 1217-19, 1222-24 und 1228-36, ab 1254, wiederum 1262-68 und abermals 1273-82. Fast die ganze Insel wurde schließlich von dem Aufstand unter Alexios Kalergis erfasst (1283-1299). Daneben versuchten Byzantiner 1230-1236 und 1262-65, dann Genuesen 1204-10 und 1265 die Insel zu erobern.

Venezianische Siedler

Markuslöwe am venezianischen Kastell von Frangokastello (Kreta)
Markuslöwe am venezianischen Kastell von Frangokastello (Kreta)

Das Land der Kreter wurde - gegen ihren Willen - ab 1211 in Lehen zerteilt, die ausschließlich an Venezianer verkauft werden durften. Binnen weniger Jahre kamen 3.500 Milites. Sie wurden entsprechend den sechs Stadtteilen der Mutterstadt auf der Insel angesiedelt, die in gleichnamige Bezirke aufgeteilt worden war. Die Sechstel oder Sestieri wurden in Turme eingeteilt und diese wiederum in Cavallerie. Zwei Drittel der insgesamt 200 Cavallerie wurden an Kolonisten verliehen, sowie gut ein Drittel der 1.200 Güter an einfache Milites. Pro Militia standen 7 bis maximal 25 Hörige zur Verfügung - von denen allerdings viele flohen. Um 1330, als die durchschnittliche Hörigenzahl pro Militia bei zwölf bis fünfzehn lag, hatten viele nur noch sieben oder acht! Jeder Hörige musste pro Jahr einen Hyperperon entrichten - und durfte dabei gleichzeitig keinen Handel treiben. Anfang des 14. Jahrhunderts begann eine umfangreiche Einfuhr von Sklaven, von denen aber wiederum viele flohen. Trotzdem wurden die Lehensnehmer gezwungen, mindestens die Hälfte ihres Landes zu bebauen.

Dabei verschärfte die Kommune der Hauptstadt Candia (heute Iràklion) das Problem noch weiter. Sie besaß etwa 800 Quadratkilometer Ländereien, was fast einem Zehntel der Inselfläche entsprach. Einerseits konnten hier die Hörigen ihre Freiheit erlangen und in der Stadt leben, außerdem war ihre Orthodoxie weniger in Gefahr. Auf der anderen Seite brauchte die Kommune immer mehr Arbeitskräfte, wobei sie die Kolonisten in die Enge trieb, indem sie 1302 verfügte, dass automatisch der Kommune Candia unterstehen sollte, wer seinen Lehnsherrn nicht kannte.

Landflucht und ein Brigantentum unfassbaren Ausmaßes hingen aufs engste mit dem Kolonialsystem zusammen.

Bei der Aufteilung der Insel wurden die führenden kretischen Familien kaum berücksichtigt. Erst nach 1300 versuchte man, diese Archonten bis zu einem gewissen Maß zu integrieren. So erhielt Alexios Kalergis, der mächtigste Aufstandsführer, 1302 das Recht 15 Milliaria zu halten, 1304, Getreide zu verkaufen. Doch erst 1407 erhielt, in Durchbrechung der Grundsätze der Serrata, ein Angehöriger der Kalergis Sitz und Stimme im ansonsten nur venezianischen Adligen vorbehaltenen Großen Rat. Angesichts der Tatsache, dass zwischen Venezianern und Kretern ein Eheverbot bestand, und Venezianer unter keinen Umständen Lehen an Kreter abgeben durften, ein beachtlicher Schritt. Die Milites, die sich zugleich im Laufe der Generationen immer mehr den griechischen Archontenfamilien assimilierten, zersplitterten im Gegensatz zu diesen durch immer weitergehende Unterverpachtungen ihr Land. Dadurch fiel am Ende ein Teil des Landes in die Hände des Stadtbürgertums.

Forderungen der Mutterstadt

Zwischen 1211 und 1300 hatte Kreta kaum mehr als 50.000 Einwohner. Diese Zahl stieg jedoch wieder an. Um 1400 hatte die Insel etwa 100.000 Einwohner - von denen fast ein Fünftel in den größeren Städten wohnte -, um 1500 etwa 200.000. Damit stieg der Eigenbedarf der Inselbewohner im Verhältnis zur stagnierenden Produktion. Dennoch bestand Venedig auf seiner Quote am Getreide zu seinen Konditionen und Preisen. Die Kolonisten bekamen meist weniger, als sie durch privaten Verkauf auf der Insel oder gar Export hätten erhalten können. Außerdem mussten sie einen Pflichtteil von einem Drittel abliefern, der anhand der Saatmenge, nicht anhand der Erntemenge errechnet wurde. Das bedeutete bei schlechten Ernten in den Augen der Siedler eine unerträgliche Ungerechtigkeit in der Berechnung. Hier standen Fiskalismus in Verbindung mit Versorgungsinteressen einerseits und Verwertungsinteressen der Siedler andererseits in schärfstem Widerspruch, der sich im großen Aufstand von 1363-66 entlud. Doch der Funke dazu entzündete sich an einer anderen Stelle.

Drei Ziele versuchte Venedig gleichzeitig zu erreichen. Zum einen sollte den Siedlern ein ausreichendes Einkommen verschafft werden, zum anderen sollte Venedig festgesetzte Weizenmengen zu von ihr bestimmten Preisen und Bedingungen bekommen. Gefährlicher weil willkürlicher war das dritte Ziel, die Versorgung der Flotten mit Schiffszwieback. So bürdete man solche "überraschenden" Lasten gern den jüdischen Gemeinden in Form von Sonderabgaben auf, um beispielsweise mit 1000 Dukaten eine burgundische Kreuzzugsflotte zu verproviantieren. Normalerweise teilten sich diese Aufwendungen die Milites, die Stadt Candia und die jüdische Gemeinde im Verhältnis 2:1:1.

Der Aufstand der Siedler

Die Jahre 1360-62 bezeichnen die schärfste Phase der protektionistischen Wirtschaftspolitik Venedigs (s. Wirtschaftsgeschichte Venedigs), die in großem Maßstab auf Kosten des Kolonialreichs ging. Die durch die Pest von 1348 drastisch geschrumpfte Bevölkerung schaffte es kaum, den Boden zu bearbeiten - trotzdem forderte Venedig Männer für seine Schiffe, vor allem im Krieg gegen Genua von 1350-1355.

1354 kam es zu einer ersten Verschwörung unter Führung der Gradenigo und Venier, die aber schnell zusammenbrach. Trotzdem musste Kreta ab 1359 wegen einer befürchteten Invasion durch die Türken von Aydin zwei Galeeren bemannen und mitfinanzieren. 1360 wurde den Galeeren, die von Kretas Kolonisten ausgerüstet wurden, auch noch verboten, Waren mitzuführen. Darüber hinaus lehnte Venedig jede Exportgenehmigung rigoros ab und verbot sogar die Verschiffung zwischen den kretischen Häfen.

1362 zog eine neue, verheerende Pestwelle über die Insel. Als in dieser Situation auch noch eine große Schiffsladung von Silbermünzen einlief und Venedig verlangte, sie zu einem viel zu hohen Kurs einzutauschen, sich Soldzahlungen verzögerten, gleich zweimal Steuern erhöht wurden, da stand die Insel vor der offenen Empörung.

Am 8. August 1363 widersetzten sich die Kreter einem jährlichen Extrazoll zur Reinigung des Hafens und der Ausbesserung der Dämme. Am 10. September erreichte die Nachricht Venedig. Ein Aufruf des Dogen zum Stillhalten verhallte. Die Hauptstadt Candia war das Herz der Rebellion, die im August 1363 begann. Bald schloss sich auch Chania dem Aufstand an, der die gesamte Insel erfasste, und einige Männer versuchten auch Negroponte (Evvia), ja, Modon und Koron hineinzuziehen.

Venedig reagierte mit den erprobten Mitteln: Rhodos, Zypern, Byzanz, ja sogar Genua wurden zum Handelsboykott aufgefordert - wie sich später herausstellte, sorgten die Genuesen von Pera und Chios heimlich für Kornzufuhr an die Rebellen. Erste Galeeren riegelten die Gewässer um die Insel ab, Truppen wurden auf Istrien und in Chioggia angeworben. Von der Anwerbung türkischer Truppen sah man noch ab. Nachdem ein Condottiere namens Galeotto Malatesta mit seiner Forderung nach 5.000 Goldflorin, sowie 200 Rittern und 500 Mann Fußvolk als zu teuer abgelehnt worden war, übernahm der Veronese Luchino dal Verme, den man in Mailand anwarb, den Auftrag. Nach strengem Verbot an alle Kalfaterer außerhalb des Arsenals zu arbeiten und Verstärkung der Schiffbauleitung, die schließlich acht große Galeeren bereitstellte, sowie Anwerbung von 300 Engländern, brachen Ende Januar 1364 drei Galeeren mit Waffen und Lebensmitteln an Bord auf. Wenige Tage später standen 1.000 Reiter und 2.000 Mann Fußvolk bereit. Allerdings wartete man noch auf ein tausendköpfiges Kreuzfahrerheer, das sich auf dem Weg nach Zypern befand.

Luchino, an den Venedig inzwischen mindestens 20.000 Dukaten Sold allein für ihn und seine Armeeführer bezahlt hatte, besiegte die Aufständischen und eroberte Candia. Er erhielt eine Rente auf Lebenszeit von jährlich 1.000 Dukaten.

Der Senat versuchte nun - der Aufstand schleppte sich bis ins Jahr 1366 fort - eine Aussöhnungspolitik. Gegen die Führer der Rebellion wurde jedoch mit größter Härte vorgegangen. Das galt vor allem für Micheletto Falier, ein Mitglied der Familie jenes Marin Falier, der zehn Jahre zuvor als Doge einen Umsturzversuch unternommen hatte.

Auch nach dem harten Winter 1364/65 war die Rebellion noch nicht endgültig erstickt; nun wurden doch Türken angeworben, zunächst 1.000, später bis zu 5.000! Daneben wurden Vasmulli, Nachkommen von Lateinern und Griechinnen, und auch Sklaven angeworben. Für den Landbau entstand vor allem im Raum Chania und Rethimno durch die endlosen Kämpfe riesiger Schaden durch Vertreibung, Ermordung und durch Verbrennung der noch auf dem Halm stehenden Ernten. Die Lassithi-Ebene wurde bis 1463 zur Strafe für den Aufstand nicht bebaut - erst ab 1497 betrieb man hier wieder Landbau. 1367-71 versuchte man, die eingezogenen Lehen zu versteigern, aber nur 18 Adlige, 8 "Bürger" und 2 "aus den unteren Ständen" waren bereit, die geforderten Gegenleistungen zu erbringen. Die Insel erholte sich von dem Aufstand nur langsam, aber die Lage der Siedler verbesserte sich dennoch in winzigen Schritten. Lokale Teuerungen waren weiterhin keine Seltenheit, so etwa 1385 und 1386 um Rethimno. Erstmals gestattete man aber dortigen Siedlern, ein Viertel der Ernte innerhalb des Kolonialreichs auszuführen.

Wirtschaftspolitische Versuche

Die Siedler zogen spätestens um 1400 Wein und Käse, Zucker, Mastix, Honig und Wachs sowie Baumwolle vor, nach der nicht nur die italienischen, sondern nun auch die süddeutschen Manufakturen hungerten. Dies zu einer Zeit, als Kreta unter Mangel an Brotgetreide litt, wie der Doge Michele Steno gegenüber dem Duca und seinen Räten feststellte, die die Insel führten. Zur Linderung zwang man die jüdische Gemeinde wieder einmal, neben den üblichen Lasten auch noch Getreide zu kaufen.

Der Handel stabilisierte sich nun, die Mangeljahre (wie 1403 und 1421) wurden seltener. Nur noch sporadisch spielte Kreta als Kornreservoir für Venedig eine größere Rolle. 1423 bis 1430, versorgte Venedig das von den Osmanen belagerte Saloniki vor allem mit kretischem Korn. Auch anlässlich des Kreuzzuges von Varna (1444) wurde Kreta zur Versorgung der Truppen herangezogen. Um genügend Getreide stellen zu können, wurden sogar die griechischen Kleriker zu einer Abgabe herangezogen, die sie in Getreideform leisten durften.

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts sorgten wachsende Bevölkerungszahl - immerhin hatte die Insel am Ende des Jahrhunderts mehr Einwohner als Venedig selbst -, sinkende Erträge durch Mangel an Arbeitskräften und wenig lockende Preise sowie die Bevorzugung anderer Kulturen für immer kleinere Ernten. Da half es auch nicht, dass Venedig den Kauf der Freiheit durch die Hörigen erlaubte. Immerhin gelang es am Ende des 15. Jahrhunderts einer ganzen Reihe von Griechen im Handel zu einigem Vermögen zu kommen.

Candia im Zeichen des Markuslöwen, 1651
Candia im Zeichen des Markuslöwen, 1651

1455 und 1456 erlebte die Insel - neben der für ihre Wirtschaft offenbar katastrophalen Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 - eine zweijährige Hungersnot. Spürbar blieb sie noch bis 1462, mit Ausnahme des Jahres 1460, als der Senat gleich befahl, 50.000 Stück Zwieback bereitzustellen. Als 1464 eine Kreuzzugsflotte versorgt werden musste, entstand in Candia ein einschneidender Getreidemangel. Im folgenden Jahr verweigerte Rethimno sogar die Abgabe von Zwieback an die Galeeren.

Mit der unaufhaltsamen Expansion der Osmanen verlor Venedig trotz heftiger Gegenwehr Stück für Stück seines Kolonialreichs. 1479 ging Euböa verloren, 1500 Modon und Koron. Daher entschloss man sich in Venedig, Kreta zu einer großen Festung auszubauen. Schon 1462 begann der Jahrzehnte dauernde Ausbau der Befestigungsanlagen der Hauptstadt Candia, der besonders ab 1523 energisch vorangetrieben wurde, aber auch die anderen Städte wurden nun mit modernen Verteidigungsanlagen ausgestattet. So erhielt La Canea (Chania) 1536-1590 eine 2 km lange Befestigung mit fünf Bastionen und einer gewaltigen Festung (griechisch Firkas). Gleichzeitig entstanden städtische Paläste und der Hafen wurde ausgebaut, dazu kam ein neues Arsenal (Neoria), Werften und Speicher. Diese Baumaßnahmen wurden durch die Angriffe Chaireddin Barbarossa auf Mittel- und Westkreta (1538) in ihrer Bedeutung noch untermauert. Ab 1540 erhielt Rethimno eine ebenso beeindruckende Verteidigungsanlage. Doch 1571 fiel die Flotte Barabarossas in die Bucht von Souda ein und zerstörte wohl 80 Dörfer. Auf der Insel Agios Nikolaos in der Bucht von Souda wurde daher 1573 eine neue Festung fertiggestellt. 1579 folgten weitere Festungen auf Spinalonga in der Mirabello-Bucht, 1584 auf Gramvoussa im Westen und auf Agii Theodri in der Bucht von Chania entstanden bis 1585 zwei Festungen.

Osmanische Eroberung

Obwohl Venedig und das Osmanenreich mehrere Kriege führten, blieb Kreta fast unberührt davon - sieht man einmal von den Plünderungszügen Chaireddin Barbarossas ab. Das änderte sich 1645. Ein osmanisches Heer landete mit 50.000 Mann und schloss Candia zügig ein. Die Festung von Rethymno fiel im November 1646. 1648 intensivierten die osmanischen Truppen die Belagerung Candias. Sie wurde zur längsten Belagerung aller Zeiten. Erst 1667 drängte der Großwesir Ahmed Köprülü auf Verschärfung, und er zwang die Stadt im September 1669 zur Kapitulation. Die Festung auf Gramvoussa hielt sich noch bis 1692, Spinalonga im Osten Kretas und Sitia im Westen sogar noch bis 1715.

Inseln in der Ägäis

Die Inseln der Ägäis hatten innerhalb des Kolonialreichs eine Art Sonderstatus, denn sie unterstanden nicht einem von Venedig entsandten Sachwalter, sondern gerieten auf verschiedenen Wegen in die Hand von Feudalherren venezianischer Herkunft. So fiel Naxos an die Sanudo, Tinos und Mykonos an die Ghisi, Cérigo an die Venier, Santorin an die Barozzi und Karpathos an die Corner.

Karpathos fiel beispielsweise im Zuge der Eroberung von Rhodos durch den Hospitaliterorden an Andrea Corner. Jedoch machte ihm der Orden den Besitz nach 1306 streitig. Es erforderte erheblichen diplomatischen Druck von Seiten Venedigs, bis Andrea Corner wieder in den Besitz der Insel kam.2

Die bedeutendste Eroberung gelang jedoch dem Neffen des Dogen Enrico Dandolo, Marco Sanudo. Zusammen mit Marino Dandolo, Andrea und Geremia Ghisi, Ravano dalle Carceri, einem der Herren von Negroponte, und Philocalo Navigaioso, dem Herrn von Lemnos, gelang ihm die Eroberung von Naxos und bis 1210 auch der übrigen Kykladeninseln. Er zog es vor, sich als Vasall dem Lateinischen Kaiserreich zu unterstellen. So begründete er das Herzogtum Archipelagos und wurde selbst Herzog von Naxos (1207-27). Er teilte das Herzogtum in 56 Lehen auf.

Auch später wechselte das Herzogtum immer wieder den Oberherrn, je nach politischer Großwetterlage. Nachdem Giovanni dalle Carceri, 1342 bis 1358 Lehnsherr von zwei Dritteln von Negroponte und Ehemann der von 1362 bis 1371 regierenden Herzogin Fiorenza Sanudo, die Insel als Lehen erhalten hatte, erlangten 1383 die Crispi die Herzogswürde, unterstellten sich 1418 aber Venedig. Venedig hatte die Crispi schon 1383 unterstützt, zumal Francesco Crispo auf seine Lehen auf Negroponte verzichtete. Die Herzöge sahen darin wohl das einzige Mittel, dem zunehmenden Druck durch Osmanen und Genuesen entgegenzuwirken. Letztere eroberten 1431 sogar Naxos, erstere griffen es 1477 an. Das Herzogtum blieb jedoch bis 1566 unter venezianischer Oberhoheit, als die Osmanen Jacopo IV. Crispo absetzten. Sultan Selim II. machte den portugiesischen Juden Joseph Nasi zum letzten Herzog von Naxos.2m

Heftige Spannungen innerhalb der Inselherrschaft führten dazu, dass der Herzog Giovanni Crispo in seiner Hauptstadtfestung belagert wurde. Nur die Johanniter von Rhodos retteten seine Herrschaft. Erst sein Tod 1494 veranlasste Venedig einzugreifen und bis 1500 das Herzogtum direkter Kontrolle zu unterstellen. Francesco III., den Venedig 1500 als Herzog einsetzte, musste 1507 auf Druck der Bevölkerung wieder abgesetzt werden, kehrte für kurze Zeit zurück, endete aber schließlich im Gefängnis von Candia.

Venedig setzte weiterhin auf die Crispi, zumal die Angriffe türkischer Korsaren, allen voran Khair ad-Din Barbarossa ab 1532 stark zunahmen. Nur Tributzahlungen an die Osmanen ab 1536 retteten die Inselherrschaft bis 1566. Tinos und Mykonos waren bereits seit 1520 direkter venezianischer Herrschaft unterstellt.

Insgesamt waren die Inseln für Venedig wirtschaftlich bedeutungslos, lieferten allerdings eine militärische Reserve gegen die wechselnden politischen Rivalen. Den Griechen gelang es immer wieder, die venezianischen Feudalherren zu vertreiben, wie zuletzt 1566 auf Andros.

Zypern

Schon lange vor der Inbesitznahme der großen Insel im östlichen Mittelmeer waren dort Venezianer tätig, doch 1198 sagte sich Zypern von Byzanz los. Noch im November 1198 stellte Kaiser Alexios III. den Venezianern, obwohl beide Vertragspartner wussten, dass die Vertragsinhalte nicht mehr durchsetzbar waren, weil die Insel sich für unabhängig erklärt hatte, ein weit reichendes Privileg aus.2w

1366 war es der Familie Corner di San Luca gelungen, von der Dynastie der Lusignan, die Zypern beherrschten, umfangreiche Ländereien zu erwerben. Das dortige Zuckerrohr machte sie zu einer der reichsten Familien Venedigs.

Doch der Dauerstreit mit Genua schwächte auf lange Zeit die venezianische Position, nachdem es in Famagusta 1374 zu schweren Straßenschlachten zwischen Venezianern und Genuesen gekommen war.

Zypern kam durch dynastische Verbindungen an Venedig, 1468 heiratete Katharina Cornaro, die Tochter des Dogen Marco Corner, König Jakob II. von Lusignan. Da aber ihr Mann und ihr Kind bereits 1474 starben, wurde sie zur Königin von Zypern und übergab schließlich 1489 die Insel an die Republik Venedig.

Die venezianischen Interessen wurden von einem in Nikosia ansässigen Rettore wahrgenommen. Diese Einrichtung bestand aus einem Statthalter und zwei Beratern (Consiglieri), deren Amtszeit auf zwei Jahre begrenzt war. Der Rat der Zehn, der sie beaufsichtigte, kontrollierte auch ihre Tätigkeit im Bereich der Gerichtsbarkeit und vor allem der Steuereinziehung. Die Beteiligung der Zyprioten beschränkte sich auf die Ämter der Vicecomites von Famagusta und Nikosia, doch lässt sich um 1500 zunehmend eine Beteiligung der griechischen Magnaten feststellen3. Dies ist wohl einerseits auf den zunehmenden osmanischen Druck zurückzuführen, andererseits auf wirtschaftliche Erfolge und die zunehmende Einbindung in den Machtapparat.

Salz war eines der wichtigsten Ausfuhrgüter der Insel. Es wurde vorrangig um Larnaca gewonnen. Zuckerrohr und Weizen wurden hingegen zunehmend durch Baumwolle verdrängt. Die Abgaben waren hoch und auf dem Land dominierte ein Feudalsystem, ähnlich wie auf Kreta. Zwar erhielt die orthodoxe Kirche alle Rechte der Religionsausübung und die wirtschaftliche und politische Beteiligung der orthodoxen Bevölkerung nahm langsam zu, doch die Venezianer sahen sich gezwungen, zur Finanzierung ihrer Kriege und Tributleistungen die Abgabenlast weiter zu erhöhen. 1519 machte Bartolomeo Contarini den Vorschlag, die Besatzungen der Festungen, allen voran Kantara, durch die Männer der umliegenden Dörfer zu verstärken, und ihnen dafür Abgaben und Dienste zu erlassen, doch zog man es offenbar vor, die Besatzungen abzuziehen, und die Festungen zu schleifen. 1562 entlud sich diese Spannung in einem Bauernaufstand unter Führung des Jakob Didaskalos aus Nikosia.

Venedig entrichtete anfangs Tributzahlungen an das mamelukische Ägypten, dann (ab 1520) an den osmanischen Sultan, um Zypern halten zu können. Trotzdem fiel die Insel 1570 an die Osmanen, im Folgejahr fiel als letzte Festung Famagusta. Dieser Verlust war ein schwerer Schlag, denn er setzte die Schrumpfung des venezianischen Kolonialreichs fort. Die wirtschaftliche Bedeutung der Insel darf zwar nicht unterschätzt werden, doch war der Schaden für den Fernhandel wohl viel größer, denn es wurde immer schwieriger, die langen Handelsfahrten zu schützen und zu versorgen.

Literatur

Quellen

zur Romania, dem ehemaligen Gebiet des Byzantinischen Reichs:

zu Albanien:

zu Kreta:

Internetressourcen

Anmerkungen

  1. 1 ↑ Frühe Erfahrungen mit eroberten Gebieten machte Venedig in Treviso, vgl. Federico Pigozzo, Treviso e Venezia nel Trecento. La prima dominazione veneziana sulle podesterie minori. (1339-1381), Venedig 2007.
  2. 2 ↑ Freddy Thiriet: La Romanie vénitienne au Moyen Age. Le développement et l'exploitation du domaine colonial vénitien (XII-XV siècles), 2. Auflage, Paris 1975, S. 163..
  3. 2m ↑ Kenneth Meyer Setton: The Papacy and the Levant, 1204-1571. The thirteenth and fourteenth centuriesAmerican Philosophical Society, 1976, S. 19..(Google Books)
  4. 2w ↑ Alexander Daniel Beihammer, Maria G. Parani, Christopher David Schab: Diplomatics in the Eastern Mediterranean 1000-1500. Aspects of Cross-Cultural Communication, Leiden 2008, S. 396. (Google Books)
  5. 3 ↑ Arbel, Magnates.


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